Jazz Podium review by Ulrich Steinmetzger

Poesie ohne Worte: Carlos Bica & Azul entfalten abermals ihren Klangkosmos

Gut 15 Jahre existiert Azul schon, das Trio des in Berlin lebenden portugiesischen Kontrabassisten Carlos Bica. Auf der erst fünften CD der Band klingt die Mischung aus Pop, Folklore und Jazz wieder äußerst entspannt und mild, als wäre dieses Schwere ganz einfach.

Gut 15 Jahre existiert Azul schon, das Trio des in Berlin lebenden portugiesischen Kontrabassisten Carlos Bica. Weder die Besetzung mit Gitarrist Frank Möbus und Schlagzeuger Jim Black noch das Konzept haben sich geändert. Warum auch? Viel zu gut und einmalig ist diese auf ungewöhnliche Weise Pop, Folklore und Jazz zu etwas Eigenem fusionierende Musik auch auf dieser erst fünften CD der Band. Wieder klingt das äußerst entspannt, mild und wie eine harmonische Endlosschleife des Einfachen, das schwer zu machen ist. Es klingt nach Meer, nach Sommer, nach einer meditarranen Brise, in der sacht die Wellen spielen.

Diese auf der Achse Lissabon-Berlin-New York gewachsene Musik verbreitet einen ausgemachten Wohlfühlfaktor und produziert hohes sinnliches Vergnügen. Man hört elf eingängige Songs ohne Worte, doch voller Poesie. Wundervolle Melodien werden in diesem austarierten und emotional aufgeladenen Klangkosmos zwischen den Beteiligten hin und her gereicht, gedreht und gewendet in einem großen Schwelgen, das sich Zeit lässt und doch nicht auf der Stelle tritt.

Carlos Bicas Bass singt dunkel und sonor. Frank Möbus zelebriert transparent seine Linien, lässt Raum zwischen den Tönen oder schichtet sie zu ausgewogenen Klangflächen. Jim Black demonstriert geradezu lehrbuchhaft, wie man mit Drive, Puls und delikaten Rhythmen eine Band nuanciert am Laufen hält, ohne laut in den Vordergrund zu drängen. Drei exzellente Improvisatoren, die gelegentlich auch das Tempo anziehen, ordnen sich ohne Muskelspiel oder autoritäres Gehabe zum Gruppenklang. Alles fließt, fragil verträumt und doch mit Nachdruck, voller Wärme, Timing und kluger Heiterkeit, dass es immer so weitergehen könnte.

Eine Azul-CD sollte man besitzen. Mindestens. Diese sei nachdrücklich empfholen.

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