Jazzthetik review by Christoph Wagner

CF 268Kris Davis – Capricorn Climber (CF 268)
4 Sterne
Die kanadische Pianistin Kris Davis hat sich in den letzten Jahren auf der alternativen Jazzszene in Brooklyn einen Namen gemacht. Selbst Pianostar Jason Moran ist voll des Lobs für die Vielseitigkeit und das Talent seiner Klavierkollegin, die sich auch schon als Arrangeurin profiliert hat. Mit ihrem Quintett hat Davis jetzt ein Album vorgelegt, dass die ganze Bandbreite ihrer Begabung zeigt.

Davis hat eine Musik entworfen, die sich am Klang der Gruppe als einer Einheit orientiert. Solistische Exkursionen stehen selten im Mittelpunkt, immer geht es um die kollektive Gestaltung von Stimmungen und Atmosphären, die gelegentlich etwas grüblerisch ausfallen. Erstaunlich ist, dass sich die Bandleaderin dabei selbst am meisten zurücknimmt. Lieber läßt sie Mat Maneri eine Improvisation auf der Viola spielen oder gesteht Trevor Dunn ein Baßsolo zu, bevor sie einmal zu einer Pirouette auf der Tastatur ansetzt.

In ihren Kompositionen kann es zu ekstatischen Ausbrüchen in Freejazz-Manier kommen wie im Titelstück “Capricorn Climber” oder zu träumerischen Elegien wie in “Bottom Of A Well”. In seiner verhangenden Melancholie greift dieses Stück atmosphärisch in die Sphären der “Zweiten Wiener Schule” aus, die Davis aus dem Effeff kennt, hat sie doch ursprünglich klassisches Piano studiert. Andere Stücke grooven in vertrakter Manier oder besitzen einen untergründigen Swing, über dem sich knifflige Melodienlinen der verschiedenen Instrumente ineinander verschlingen

Kris Davis versteht es ausgezeichnet, mit dynamischen Abstufungen, Klangfarben- und Tempowechseln sowie rhythmisch gebunden bzw. freien Sequenzen für Spannung zu sorgen. Nie werden die musikalischen Mittel effekthascherisch eingesetzt, vielmehr herrscht immer die Absicht vor, sie in ihrer Substanz zu erkunden.  Mit Tom Rainey am Schlagzeug, Trevor Dunn (Kontrabaß), Ingrid Laubrock (Saxofone) und Mat Maneri (Viola) hat Davis ein kompetentes Team aus erfahrenen Musikern zusammengestellt. die sich nicht mehr beweisen müssen, sondern sich ganz in den Dienst ihrer Musik stellen.

Mit diesem exzellenten Album macht Davis klar, dass sie zu den interessantesten Vertretern der neue Generation von New Yorker Jazzmusikern zählt. Mit ihr wird in Zukunft vermehrt zu rechnen sein.

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