Jazzpodium review by Ulfert Goeman

CF 283Pascal Niggenkemper Visio 7 – Lucky Prime (CF 283)
Vor 8 Jahren war der deutsche Jazzbas- sist Pascal Niggenkemper Stipendiat des DAAD in New York, studierte an der Manhattan School of Music bei Jay Anderson und erwarb dort seinen Master. ln Los Angeles spielte er mit Maria Schneider, Vince Mendoza und Gonzalo Rubalcaba, wieder in New York hatte er ein Trio mit Robin Verh» eyen, sax, und Tyshawn Sorey, dr, War in der Folge auch mehrfach in Frankreich unterwegs. Er ist ein Musiker, der sich viel mit multinationalen und multikul- turellen Projekten beschäftigt, wobei es ihm im Dialog von komponierter und improvisierter Musik auch um einen befruchtenden Konsens verschiedener Persönlichkeiten, Stile, Identitäten und Konzepte geht. Vision 7 ist ein Ensemble aus deutschen und französi- schen Musikern.

Die CD „Lucky Prime” mit Frank Grat- kovvski, as, bd, Eve Risser, p, Emilie Les- bros, voc, Frantz Loriot, viola, und Chri- stian Lillinger, dr, Wurde live und im Studio des Kölner Lofts im Rahmen des Vive le Jazz Festivals im Oktober 2012 aufgenommen, nachdem man ein Jahr zuvor im Jazzclub Untertahrt und im Rahmen des Jazzdor Strasbourg-Berlin schon zusammentraf. Mitspieler Nig- genkempers in „Vision 7″ sind zwei Musikerinnen aus Paris, die Pianistin Eve Risser, die unkonventionelle Kla- vierklänge liebt und aktuell im Orchestre National de Jazz sitzt sowie die Sängerin Emilie Lesbros, bekannt von Duos mit Barre Phillips oder von einem Trio mit Lionel Garcin, auch Sän- gerin der Rockgruppe Rosa ist. Hinzu kommen der Schlagzeuger Christian Lil- linger, gevvichtiges Mitglied von Hyper- active Kid und anderer avantgardisti» schen Bands und die ebenfalls in Berlin wohnende belgische Vibraphonistin Els Vanden/veyen, die an Projekten von Fred van Hove und Paul Lovens beteiligt ist, Frantz Loriot lebt als französisch- japanischer Bratscher in Zürich und spielte u.a. mit Anthony Braxton, Joelle Leandre und Martin B|ume,A|tsaxopho- nist und Baßklarinettìst Frank Gratkovv- ski ist bekannt für viele Aufnahmen in Klein- und Großformat, mit Lehrtätig- keit an den Musikhochschulen von Köln und Arnheim. Niggenkemper beschreibt es so: „Von einer solchen Möglichkeit habe ich geträumt. Ein Ensemble aus deutschen und französischen Musikern, die ich schätze, ins Leben zu rufen und für diese Formation Musik zu schreiben. Die Einladung zum lazzdor Strasbourg- Berlin Festival (2.55.2011), das solche musikalische Begegnungen fördert, hat es ermöglicht. ….Uns vereint die Liebe zum Moment, zur Spontaneität, zur Überraschung, uns vereint auch der Drang nach neuen Formen, nach einer Kommunikation frei von Klischees. Unser Ziel ist eine persönliche musikali- sche Sprache. Ein Spannungsfeld zwi- schen Jazz, Folklore, Klassik und Rock und auf die Musikerpersönlichkeit zugeschnitten.Als Leitmotiv ziehen sich deutsche und französische Textfrag- mente durch das Konzept.” Dafür ver- antwortiich ist die Sängerin Emilie Les- bros. „Lucky Prime” erzählt im Duktus des Komponisten und Bassisten Nig- genkemper eine Geschichte von impro- visierter Geräuschinstallation und Free Jazz („Carnet plein d’histoires”), Vibra- phon-getränkter Klangfolie („Dia de los muertos”), fesselndem Energiespiel („Feuertreppe”), einem perkussiven Dialog zwischen Klavier und Vibraphon („En urgence”) bis hin zu einem sperri- gen lazzstück im idiom Thelonious Monks („Don’t know why, but this momìng”). Eher hymnisch hört sich „Ke belle” an, wenn von der Bassklarinette zuweilen nur ein Anblasen oder ein Fin- gertippen zu hören sind, der gezupfte Bass kleine Notenbündel über das Thema träufelt. Niggenkemper beherrscht wie Cage das Spiel mit Stille und Pausen, wenn erst spät Schlagzeug und Klavier sich umgarnen („Lance: die Lanze”), ein waberndes Altsaxophon hinzustößt, in „Sortir de la colère” nur ein Flüstern oder eingesaugte Silben zu vernehmen sind, die Bratsche eine last mittelalterliche Melodie aufgreift, die Sängerin von einem Traum erzählt, Kla- vier und Schlagzeug zu taumeln schei- nen, das Altsaxophon wie eine zün- gelnde Fiamme bleckt und eine Geschichte ihr Ende findet. Kernstück und Iängster Titel überhaupt ist die schon erwähnte „Feuertreppe”, in dem sich der Bassbogen des Bandleaders so richtig austoben kannî Pascal Niggen- kemper fasziniert nicht nur mit dieser fesselnden Musik, dem engagierten Einsatz im Zusammenspiel von Solisten und Mitspielern, sondern genauso mit derAufmachung seinerAufnahme, einem kleinen ästhetischen Kunstwerk.

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